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Afro-Reggae

Tiken Jah Fakoly

| Elfenbeinküste

CD der Woche:  "Tiken Jah Fakoly" 

www.radiomultikulti

Doumbia Moussa Fakoly alias Tiken Jah Fakoly ist neben Alpha Blondy wohl der bekannteste Reggae-Musiker Westafrikas. Mit seinem afrikanischen Roots-Reggae gepaart mit kritischen Texten über Korruption, Machtmissbrauch und mangelndes Demokratieverständnis in seiner Heimat wurde er zum Sprachrohr und Idol der Jugend an der Elfenbeinküste, aber auch zum Geächteten seitens der Regierung, die ihm mit Auftragskillern seit einigen Jahren nach dem Leben trachten.

Sein aktuelles Album "Tiken Jah Fakoly", inzwischen seine achte Veröffentlichung, ist eine Zusammenstellung der besten Titel der beiden vergangenen Alben "Francafrique" (2002) und "Coup de Gueule" (2004), also in gewissem Sinne eine "Best of Tiken Jah Fakoly".
Beide Alben verkauften sich allein in Afrika über 500.000 Mal, die Kopien auf dem Schwarzmarkt nicht mitgezählt. Bereits für "Francafrique" erhielt Fakoly neben einer Vielzahl von Preisen auch Morddrohungen, die ihn veranlassten, ins Exil nach Mali zu gehen. Dort, in Malis Hauptstadt Bamako, stellte er 2004 sein Album "Coup de Gueule" vor 20.000 Menschen vor, die z.T. von weit her anreisten, um seine Songs zu hören. Zuhause konnte er sie nicht spielen. Doch er wollte sich nicht von den Machthabenden in Abidjan sein Leben diktieren lassen.

„Ich habe keine Angst“, erklärte er, „wenn sie mich ermorden, weil ich eine Wahrheit gesagt habe, soll es so sein. Ich bin bereit. Es muss jemanden geben, der die Dinge beim Namen nennt.“ Hierbei stellt er sich auf moderne Art in die Tradition seiner Vorfahren, den Griots, deren Aufgabe es seit jeher ist, die bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse kritisch zu kommentieren und weiterzutragen.

Mit seiner Musik hofft er, wie er immer wieder erklärt, den Menschen in Afrika Mut zu geben, sich gegen die Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu wehren. Diese Einstellung bringt ihm weltweiten Respekt und unterstreicht, dass Fakoly nicht für die vor allem in Westeuropa verbreitete Verklärung von Reggae im Sinne einer oberflächlichen Attitüde steht, sondern diese Musik tief aus seinem Innersten kommt.

"Es ist eine Musik, die von Leuten ins Leben gerufen wurde wie Bob Marley, die in den Ghettos geboren wurden, die dort aufgewachsen sind, die dort diese Musik gemacht haben und die beschlossen haben, durch ihre Musik die Leiden der Leute aus diesen Ghettos auszudrücken. Das ist die Geschichte dieser Musik. Heutzutage glaube ich, dass Reggae die passendste Musik ist, um das Leid auszudrücken und über etwas zu sprechen, um gegen die Ungleichheit zu kämpfen und gegen die Ungerechtigkeit. Wenn jemand Reggae singt, kommt es aus dem Herzen – eine ernste Angelegenheit."

Neben den Reggaegrößen Sly & Robbie (Schlagzeug und Bass) schart Tiken Jah Fakoly in den letzten Jahren immer wieder Musikergrößen um sich. So wird er von den senegalesischen HipHop-Musikern von Positive Black Soul ebenso gesanglich unterstützt wie von Anthony B oder U-Roy. Auch dies ist in gewisser Weise eine Hommage an einen außergewöhnlichen Musiker.

"Tiken Jah Fakoly" (2006 Wrasse Records/Universal)

Stand vom: 19.05.2006

 

gruener strich

Tiken Jah Fakoly - Afrikanische Antworten

www.Riddim.de

Der Weg zum Erzähler und Musiker scheint Tiken Jah schon in die Wiege gelegt worden zu sein. Seine Vorfahren, die Familie Fakoly, waren berühmte Griots, zu deren angestammten Aufgaben das Weitertragen und (kritische) Kommentieren von Geschichte(n) gehört. Die ersten Laute von Tiken waren 1968 in Odienne zu vernehmen, einer Stadt im Nordwesten der Elfenbeinküste, unweit der Grenze zu Guinea. Nachdem er sich entschieden hatte den Weg des Musikers einzuschlagen, begann er sich schnell zu einem Sprachrohr der politisch Stummen zu entwickeln. Sein Gerechtigkeitssinn und das Bedürfnis der Menschen endlich zu erfahren, was alles schief läuft, ergänzten sich und machten Tiken bald zum beliebtesten Reggae-Sänger Westafrikas und zu einem Dorn im Auge der Mächtigen. Nach Todesdrohungen von offizieller Seite ging er vor gut einem Jahr ins Exil nach Mali. Doch seine Texte werden weiter gesungen und seine Refrains avancieren zu Protestparolen: „On en a marre“ (Wir haben die Schnauze voll).

Ein Grund für den Erfolg ebenso wie für die Vertreibung Tikens ist sein sensibles, politisches Gespür. 1994 erließ der damalige Präsident der multi-ethnischen Elfenbeinküste, Bèdiè, rassistische Gesetze gegen die im Norden lebenden Volksgruppen mit Wurzeln in Mali, Guinea und Burkina Faso, um ihnen das Recht abzusprechen Ivorer zu sein. Damit wurde eine Zweiklassengesellschaft etabliert, in der sich nur „reine“ Ivorer für politische Ämter zur Wahl aufstellen lassen dürfen. Nachdem diese Büchse der Pandora einmal geöffnet war, bedienten sich alle weiteren Präsidenten dieses kruden Rassismus, um sich wenigstens die Unterstützung der privilegierten Ivorer aus dem Süden zu sichern.Tiken war einer der ersten, der diese Maßnahmen öffentlich geißelte und die Folgen in düsteren Farben ausmalte. Tragischerweise sollte die Wirklichkeit schon bald seine Vorahnung einholen. Am 19. September 2002 scheiterte ein Militärputsch gegen die Regierung in Abidjan. Über den Norden des Landes konnten die abtrünnigen Soldaten schnell die Kontrolle gewinnen, doch im Süden wurden sie zurückgedrängt. Mit dem Argument das Blutvergießen beenden zu wollen, griff die französische Armee in den Konflikt ein. Seitdem ist das Land faktisch zweigeteilt. Tiken wurde vom regierenden Präsidenten Laurent Gbagbo der Unterstützung der Rebellen im Norden bezichtigt. Das ist natürlich Blödsinn. Schwerer dürfte wiegen, dass Tiken den Präsidenten auf seinem letzten Album an seine Verantwortung für das Desaster erinnert und ihn als Assassin bezeichnet.

Tiken Jah gründete 1987 seine erste Band, die Djels (ein anderes Wort für Griot), und veröffentlichte 1993 sein gleichnamiges Debüt-Album. Ein Jahr später folgte sein zweites Werk „Missin“. Beide sind nur als Tape erschienen und kursieren in unzähligen Kopien durch Westafrika. Auch die dritte Produktion von 1996 blieb auf den afrikanischen Markt beschränkt. Als er in seiner Heimat längst Stadien füllte, gelang ihm mit den Alben vier und fünf, „Mangercratie“ (1999) und „Cours de Histoire“ (2000), der Sprung nach Frankreich. Die Begeisterung war groß und er bekam vor zwei Jahren einen Major-Deal. Damit konnte er sich für sein letztes Werk „Francafrique“ einige lang gehegte Musikerträume erfüllen: Aufgenommen in den Tuff Gong Studios mit Sly & Robbie und Earl „Chinna“ Smith gaben sich auch Anthony B und gleich zweimal Daddy U-Roy die Ehre. Außerdem ist Tiken am „African Consciousness“ Projekt sowie an verschiedenen Initiativen zur Entschuldung der sogenannten dritten Welt beteiligt. Beim letzten Summerjam war er zum ersten mal live in Deutschland zu erleben und es bot sich die Gelegenheit ein paar Fragen an ihn zu richten.

Wie bist du zur Musik gekommen, wo liegen die Quellen deiner Inspiration?

Seit 1977 tanze ich sehr gerne. Dann waren da noch meine schlechten Noten in der Grundschule! Mein Vater war sehr verärgert über mich! Ich war einfach nicht gut in der Schule und tanzte statt dessen viel lieber. Tanzen stellte den Mittelpunkt meines Lebens dar! Mein Vater hat mich dann auf eine andere Schule in einem kleinen Dorf geschickt! Dort fing ich wieder sofort an zu tanzen. Es schien, dass ich einfach gut war! Alle Leute stoppten und starrten mich an! Als ich dann zu Reggae zu tanzen begann, machten sich die Leute ein wenig lustig über mich. Das war mein erster Bezug zu Reggae!Als ich jemanden kennen lernte, der Englisch sprach, ließ ich mir die Texte von Burning Spear, Bob Marley etc. erklären. Dadurch entdeckte ich die Intention von Reggae, ich entdeckte die Botschaft dieser Musik. Reggae handelt von Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Rassismus! Und ich befand mich in einer ganz ähnlichen Situation! Ich sagte mir, es gibt Menschen in Jamaika und in der ganzen Welt, die über diese Probleme sprechen. Da wurde mir klar, dass auch ich sprechen muss. So begann ich Reggae-Songs zu schreiben.

Bedeutet für dich Reggae gleich Politik?

Das Problem ist, dass Reggae nicht zwangsläufig Politik bedeutet, aber es ist richtig, dass Politiker keine guten Entscheidungen treffen. Die Mehrheit des Volkes, die darunter leidet, hat keine Stimme! Sie wissen nicht, wie sie ihr Leid ausdrücken können. Ich bin verpflichtet an ihrer Stelle zu sprechen und so ist der Bezug zur Politik hergestellt. Darum sind wir von Zeit zu Zeit verpflichtet über Politik zu sprechen, immer mit dem Ziel den Unterdrückten Gehör zu verschaffen.

Worin liegen die Ursachen für den Krieg an der Elfenbeinküste? Handelt es sich um einen reinen Nord-Süd Konflikt?

Die Menschen aus dem Norden werden als Zufalls-Ivorier bezeichnet, und nur die Menschen aus dem Süden werden als wahre Ivorier anerkannt. Man wollte die geschichtlichen Ereignisse verschleiern. Selbst in der Grundschule wird den Kindern seit 1994 gelehrt, dass die Menschen aus dem Norden Eindringlinge sind.Der Krieg an der Elfenbeinküste ist kein Krieg der Gerechtigkeit oder des Erdöls. Es ist vielmehr ein Krieg um Identität! Das ist der Unterschied zwischen dem Krieg an der Elfenbeinküste und denen in anderen afrikanischen Ländern. Vielen Menschen wurde ihre Staatsangehörigkeit genommen. Man wollte aus ihnen Ausländer in ihrem eigenen Land machen.

Nun sind die Franzosen in ihre ehemalige Kolonie zurückgekehrt, um den Frieden zu wahren. Siehst du darin einen Rückfall in alte Strukturen?

Die Realität sieht doch so aus, dass die Kolonialisten niemals gegangen sind. Es gab die Sklaverei - wir haben die Sklaverei bekämpft. Nachdem sie gesehen haben, dass sie den Kampf verloren hatten, begannen sie mit der Kolonialisierung. Als sie auch diesen Kampf verloren hatten, begannen sie (Wirtschafts-) Allianzen zu bilden wie z.B. die Allianz franco-malienne, in denen die Geschäfte „geräuschlos“ getätigt werden. Verstehst du? Die Kolonialisten sind zwar am Tag gegangen, aber in der Nacht waren sie schon wieder da! Man wollte Afrika nicht umfassend befreien; dies ist genau das Problem! Wenn sie Afrika vollständig befreit hätten, dann gäbe es auch nicht die ständige Unterstützung der Diktaturen. Da gibt es zum Beispiel den togolesischen Präsidenten Eyadéma. Er ist seit 37 Jahren in diesem Amt. In Ländern wie Deutschland oder Frankreich war kein einziger Präsident 37 Jahre im Amt. Mit seiner ganzen politischen Laufbahn hat er noch immer und überall Freunde! Normalerweise würde man sagen, das reicht jetzt! Die westlichen Länder sind niemals gegangen und heute sind sie nur aus dem einfachen Grund zugegen, das zu korrigieren, was sie damals kaputt gemacht haben. Sie waren es, die die Grenzen gesetzt haben. Sie haben die Familien getrennt, die sich heute in kriegerischen Auseinandersetzungen befinden. Sie kommen jetzt, um geschichtliche Entwicklungen zu korrigieren.

Meinst du wirklich, dass die Franzosen zurückgekommen sind, um geschichtliche Entwicklungen zu korrigieren?

Wenn ich von „Reparation" spreche, meine ich die Intervention Frankreichs in den ersten Tagen des Krieges. Es ging zunächst nur darum, die Interessen Frankreichs zu schützen.Aber die augenblickliche Intervention ist wahrhaftig darauf gerichtet die blutigen und kriegerischen Auseinandersetzungen zu stoppen! Zuerst sind sie eingeschritten, um ihre wirtschaftlichen Interessen zu schützen. In der Elfenbeinküste sind etwa 3500 französische Firmen ansässig. Man kann die Elfenbeinküste also als „kleines Frankreich“ bezeichnen. Es handelt sich also nicht um eine Rückkehr, denn sie haben uns niemals verlassen.Ich denke sie sind nicht da, um Dinge in Ordnung zu bringen, sondern um sich erneut zu positionieren und die Rückkehr der Kolonisation einzuläuten. Aber meiner Meinung nach hat sich die Mentalität in Afrika verändert und wird sich in Zukunft noch mehr verändern. Das Denken und die Einstellung in Afrika ist nicht mehr dasselbe. Unsere Aufgabe ist es das Bewusstsein der Menschen zu wecken, die Menschen zu informieren. Ich glaube, dass wir eines Tages alle gemeinsam in Afrika „Nein“ zur westlichen Welt sagen werden.

Wie sieht deine Zukunft aus?

Der Kampf geht weiter! Mein Ziel ist es, daß sich die Leute sagen, wenn Tiken sich in dieser Form und Deutlichkeit äußert, dann habe auch ich die Möglichkeit es zu tun! Es ist nicht wie in Frankreich oder Deutschland, wo du deine Meinung frei äußern kannst! Bei uns an der Elfenbeinküste ist dies nicht möglich! Das nächste Projekt ist mein kommendes Album. Es wird im Februar veröffentlicht. Außerdem möchte ich in der Elfenbeinküste einen speziellen Radiosender für Reggaemusik entwickeln. Das sind meine nächsten Pläne.

Text von Jan Moritz, Mitarbeit: Christian Schneider

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tiken jah fakoly

www.taz.de

Mitunter kann Musik lebensgefährlich sein. Auf den Kopf von Tiken Jah Fakoly, so sagen Gerüchte, sei eine Prämie ausgelobt. Auftragskiller warten auf den Reggaestar, sollte er versuchen, zurück in seine Heimat Elfenbeinküste zu reisen. Seit vier Jahren lebt und arbeitet er im benachbarten Mali. Trotzdem - oder gerade deshalb - verkaufen sich die Alben des 37-Jährigen in Westafrika jeweils eine halbe Million Mal. Aber es ist weniger der sanft rollende Offbeat, der Fakoly zum Megastar gemacht hat. Es sind die Texte seiner Songs, mal Französisch, mal in Dioula, der am weitesten verbreiteten Sprache der Elfenbeinküste, mit denen er zum Volkshelden wurde und zur Zielscheibe der Machthaber. Den Anfang machte 1996 "Mangercratie", in dem er das damalige Regime unter Henri Konan Bédié angriff, das die Elfenbeinküste unter einem demokratischen Deckmäntelchen ausplünderte. Sie wurde zum Evergreen und Fakoly neben Alpha Blondy zur festen Größe der Musikszene der Elfenbeinküste. Den Rechtlosen eine Stimme zu geben, sagt er, sei ihm längst Verpflichtung geworden. Auch sein Gang ins Exil 2002, hat ihn nicht verstummen lassen. Stattdessen wagte es Fakoly sogar, Félix Houphouët-Boigny, den verehrten Gründungsvater und von 1960 bis 1993 autokratisch herrschenden Präsidenten des Landes, zu kritisieren. Einen guten Überblick über das Schaffen von Fakoly, der aus einer Griot-Familie stammt, bietet die neueste Veröffentlichung für den hiesigen Markt, die schlicht "Tiken Jah Fakoly" betitelt ist: Darin findet sich zum einen eine Live-DVD, die einen Auftritt aus dem vergangenen Jahr beim Festival Bout du Monde in der Bretagne dokumentiert, zum anderen eine CD mit Songs der letzten beiden regulären Alben "Francafrique" und "Coup de Gueule", auf denen Fakoly seinen klassischen Roots Reggae vorsichtig mit afrikanischen Einflüssen anreichert, aber vor allem weiter tapfer alle verfügbaren Missstände anklagt: In "Tonton dAmerica" attackiert er die USA und den eigennützigen Einfluss, den sie in der Region nehmen, in "Quitte le pouvoir" fordert er den an der Macht klebenden Laurent Gbagbo, dessen Politik für die aktuelle Teilung der Elfenbeinküste mitverantwortlich ist, zum Rücktritt auf, in "Kuma" kritisiert er religiöse Heuchelei.

THOMAS WINKLER

Stand vom 20.05.2006

On Tour

Electro Deluxe (34155 Bytes)

Electro Deluxe

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Seit 2001 hat die Gruppe sich die Electro-Jazz ihrer Debüts in übervitaminierten Cocktails von soul und funk entwickeln lassen. Erkennbar sind unter allen und Sucht erzeugend.