
Lucibela verhilft mit ihrer samtweichen und einzigartig berührenden Stimme dem musikalischen Erbe ihrer Heimat zu neuer Blüte und krönt mit ihrem Debütalbum die Ära der neuen kapverdischer Sängerinnen.
Begleitet von einem Ensemble aus Gitarren, Percussion, dem mandolinenartigen Cavaquinho, sowie gelegentlich einer Geige oder einem Akkordeon, besingt Lucibela in den heiteren Coladeiras und melancholischen Mornas unvermeidliche Schicksalsschläge und Liebeserklärungen – ganz in der Tradition ihrer Heimat. Die Musik ist die Nabelschnur (so auch der Titel ihres Debutalbums Laço umbilical) die sie mit ihrem Land verbindet; sie nährt, schenkt Freude und Trost.
Der fast obligatorische Vergleich mit der unvergessenen Botschafterin kapverdischer Musik, Cesaria Evora, lässt sich gerade bei Lucibela nicht von der Hand weisen. Schließlich hat sie wie das große Vorbild ihren musikalischen Werdegang mit Liveauftritten in den örtlichen Bars und Hotelanlagen begonnen und anfangs Evoras Lieder gecovert. Lucibela ist allerdings die erste unter den Sängerinnen, denen dieser Vergleich anhaftet, die das Versprechen, Evoras Erbe fortzuführen, einlösen wird. Bei Lucibela spürt man wie bei keiner anderen Sängerin ihrer Generation die große Ausdruckskraft ihres Gesangs und die gleichzeitige Leichtigkeit in ihrer Musik, die wie der Wind über die kapverdischen Inseln streicht. Das Geheimnis ihrer unverwechselbaren Stimme liegt darin, die tiefen Register großer brasilianischer Sambistas mit einem packenden Vibrato zu verbinden und so eine faszinierende Intensität zu schaffen, mal gefühlvoll, mal wagemutig.
Auf ihrem Debutalbum zeigt die 32-Jährige mit dem strahlenden Auftreten nun, wie man dieses große Erbe in die Gegenwart übersetzt. In den Liedern besingt sie nicht nur die üblichen Themen wie Liebe, Einsamkeit und Sehnsucht, sondern was es bedeutet, eine Frau zu sein, und was es bedeutet, heute eine Kapverdierin zu sein in einer Kultur, in der die Machos zunehmend in Bedrängnis kommen. Lucibela lebt inzwischen in Lissabon, wo sie nach wie vor gerne auf den Plätzen und in den Straßen auftritt. Man merkt all ihren Konzerten an, wie viel ihr dieses unmittelbare und offenherzige Musizieren von Angesicht zu Angesicht bedeutet.
| 05.05.2020 | AT-Wien | Wiener Konzerthaus |